Dienstag, 6. Juni 2017

Zeit zu erblühen

Viele Jahre liegen zwischen dem Tag, an dem du dich selber verlorst,
und dem Tag, an dem du dich daran erinnert hast, wer du bist.

Jahre, in denen du sein wolltest, was du nicht bist,
Erwartungen von anderen zu erfüllen versuchtest,
Verpflichtungen übernahmst, die dir keine Freude machten,
Beziehungen eingingst, die dich nicht glücklich machten.

Jahre, in denen du dich von dir selber entferntest,
bis du deine Wünsche vergasst,
deine Träume verlorst,
dir selber völlig fremd wurdest.

Du spürtest, dass dir etwas fehlte.
Doch hinzusehen, dazu hattest du keinen Mut.
Du hättest es nicht ausgehalten.

Bis du merktest, dass es nicht mehr weitergeht.
Das Reissen in deiner Seele war zu gross geworden.
Jeder weitere Schritt unmöglich.

Du konntest nicht mehr schlafen.
Du konntest nicht mehr atmen.
Du konntest nichts mehr fühlen.

Du wolltest nicht nachgeben.
Versuchtest weiterzugehen.
Es ging nicht.

Zu schwer war die Last, die du für andere trugst.
Doch sie abzulegen, dazu hattest du keine Kraft.
Du wärst daran zugrunde gegangen.

Es gab nur noch dieses Reissen in deiner Seele.
Verzweifelt suchtest du einen Ausweg,
wusstest nicht mehr weiter.

Und dann kam die Liebe zurück.
Ungefragt. Einfach so.
Das hattest du nicht erwartet.

Dein Herz begann zu singen.
Sein Klang erfüllte dein ganzes Sein.
Du fühltest dich leicht und befreit.

Du wolltest dem Gesang deines Herzens folgen.
Doch alte Wunden brachen auf.
Das Reissen in deiner Seele wurde unerträglich.

Der Gesang wurde zur Pein.
Eine Mauer aus Angst und Schmerz
liess ihn einfach verstummen.

Du wolltest die Liebe nicht gehen lassen,
versuchtest die Mauer, die dich von ihr trennte.
mit blossen Händen zu durchbrechen.

Die Steine waren gross und schwer.
Du kratztest dich an ihnen blutig,
bis du lerntest, geduldig zu sein.

Jeder Stein lehrte dich etwas über dich selber.
Du fingst an, die Gesetze des Lebens zu verstehen,
dem natürlichen Lauf der Dinge zu vertrauen.

Lebensfreude trat an die Stelle des Kampfes.
Stein um Stein löste sich aus der Mauer,
bis du auf der anderen Seite dich selber erkanntest.

Viele Jahre liegen zwischen dem Tag, an dem du dich selber verlorst,
und dem Tag, an dem du dich daran erinnert hast, wer du bist.

Die Angst und der Schmerz sind verschwunden.
Deine Welt ist wieder hell,
erleuchtet vom Licht deiner eigenen Liebe.

Wünsche und Träume kommen zurück.
Klarheit entsteht.
Wunder dürfen geschehen.

Dort, wo deine Mauer war,
hat sich dein Herzraum aufgetan.
Er hält alles für dich bereit.

Licht. Freiheit und Schaffenskraft.
Liebe. Freude und Erfüllung.
Hingabe an das Leben.

Es ist Zeit zu erblühen.

***
geschrieben am 6.6.2017
Bild: Thomas Oetjen



Montag, 29. Mai 2017

Angst

Ich will dir meine Zeit schenken,
weil ich sie gerne mit dir verbringe.
Wenn ich viele Verpflichtungen eingehe,
hat das nichts mit dir zu tun.

Ich will dir meine Worte schenken,
weil ich gerne meine Gedankten mit dir teile.
Wenn ich schweige,
hat das nichts mit dir zu tun.

Ich will dir mein Lachen schenken,
weil ich dich gerne fröhlich sehe.
Wenn ich traurig bin,
hat das nichts mit dir zu tun.

Ich will dir meine Nähe schenken
weil ich gerne bei dir bin.
Wenn ich mich zurückziehe,
hat das nichts mit dir zu tun.

Ich will dir meine Liebe schenken,
weil ich dich gerne in meinem Herzen trage.
Wenn ich verletzend bin,
hat das nichts mit dir zu tun.

Ich habe Angst.
Bitte verzeih mir.

***
geschrieben am 29.5.2017

Sonntag, 14. Mai 2017

Aufbruch

Erwartungsvoll.
Herzen,
die sich einander zeigen wollen.
Leichtigkeit,
die wir uns lange wünschten.

Freudvoll.
Blicke,
die einander finden.
Gewissheit,
die lange in uns keimte.

Gefühlvoll.
Küsse,
die Worte überflüssig machen.
Wärme,
die wir lange in uns trugen.

Hingebungsvoll.
Hände,
die das Verlangen stillen.
Geborgenheit,
nach der wir uns lange sehnten.

Wundervoll.
Liebe,
die das eigene Sein durchdringt.
Freiheit,
von der wir lange träumten.

***
geschrieben am 14.05.2017










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